Aufklärung zum Weltblutkrebstag: neuer Therapieansatz

Zum Weltblutkrebstags laden wir Sie zu einer gemeinsamen Reise in die Geschichte und die Zukunft der Medizin ein.

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Aufklärung zum Weltblutkrebstag
Zum Weltblutkrebstags laden wir Sie zu einer gemeinsamen Reise in die Geschichte und die Zukunft der Medizin ein.

Zum Weltblutkrebstag haben wir Prof. Dr. Hans-Jochem Kolb interviewt: einer der maßgeblichen Pioniere der Stammzell-transplantation und der zellulären Immuntherapie in Deutschland. Die Laufbahn des Experten verläuft seit den 70er Jahren parallel zur Geschichte der Behandlungen gegen Blutkrebs. Er ist unter anderem emeritierter Leiter der Klinischen Kooperationsgruppe und der Einheit für Hämatopoetische Zelltransplantation am Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität München und Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der José Carreras Leukämie-Stiftung.

Behandlungen bei Blutkrebs: Heilung braucht Forschung

Prof. Kolb arbeitete als Postdoktorand in den 70er Jahren bei dem späteren Nobelpreisträger Prof. Edward Donnall Thomas und bei Prof. Rainer Storb an der University of Washington in Seattle – das Ärzteteam, das 1988 Stifter und Weltstar José Carreras in Seattle von seiner Leukämie heilte. 1975 führte Prof. Kolb die erste erfolgreiche Stammzelltransplantation in Deutschland durch und rettete damit einem jugendlichen Patienten das Leben.

Die generelle Herausforderung war und ist, dass das Knochenmark des Spenders nicht nur die lebensnotwendigen blutbildende Stammzellen enthält, sondern auch die sogenannten T-Zellen, die den Körper des Empfängers als fremd betrachten und dessen Organe und Gewebe angreifen. Darauf aufbauend entwickelte Prof. Kolb die adoptive Immuntherapie, wodurch die Vorbehandlung mit Chemotherapie oder Bestrahlung eine weitaus geringere Dosis benötigt und damit den Patienten weniger stark belastet.

Mit den Spenden aus der ersten José Carreras Gala, die erstmals im Dezember 1995 live im Fernsehen übertragen wurde, baute Prof. Kolb am Universitätsklinikum München-Großhadern eine beispielhafte Knochenmark-Transplantations-Einheit in Deutschland auf, die am 1. Juni 1997 eröffnet wurde. Mittlerweile werden an deutschen Kliniken pro Jahr über 7.000 Stammzelltransplantationen durchgeführt.

Ein sprunghafter Anstieg war im Jahr 1997 zu verzeichnen, als mit Mitteln der Deutschen José Carreras Leukämie-Stiftung eine neue Transplantationseinheit gegründet wurde. Während zuvor Patienten in München im Durchschnitt ein Jahr auf ein Bett warten mussten, gibt es seither kaum noch Wartezeiten. (1)

Illustration Knochenmarktransplantati on bei Blutkrebs
Illustratin CAR-T-Zell Therapie bei Blutkrebs

„Leukämie bei Kindern ist dank der immensen Forschungsanstrengungen mittlerweile oftmals gut behandelbar. Bei Erwachsenen ist die Überlebenswahrscheinlichkeit dagegen leider immer noch gering. Die José Carreras Leukämie-Stiftung verstärkt deshalb ihre Forschungsförderung, um auch diesen Patienten ein zweites Leben schenken zu können.“

Nach wie vor kann es aber dabei zu Komplikationen kommen. So tritt bei jedem zweiten Patienten nach einer Stammzelltransplantation aus Spenderzellen die „Graft-versus-Host-Disease“ (Spender-gegen-Wirt-Reaktion oder GvHD) ein. Bei dieser Immunreaktion können bestimmte Gewebe des Patienten, wie Haut, Darm, Leber oder Lunge geschädigt werden. In 15 bis 20 Prozent der Fälle kommt es sogar zu lebensbedrohlichen Reaktionen. Die José Carreras Leukämie-Stiftung fördert deshalb seit Jahren mit ihrem Schwerpunktprogramm für die Erforschung der GvHD unter anderem am Universitätsklinikum Regensburg ein großes Forschungsprojekt, um diese Komplikation besser in den Griff zu bekommen.

Neben der Stammzelltransplantation und der Immuntherapie ist ein weiterer Schwerpunkt der aktuellen Behandlungen die CAR-T-Zellen-Therapie. Dabei werden im Labor hochwirksame, spezialisierter Immunzellen mit genetisch veränderten Rezeptoren produziert, die später im Körper eingesetzt Leukämie- und Tumorzellen erkennen und gezielt abtöten. Diese Rezeptoren werden CARs genannt, „chimeric antigen receptors“. Auch zu diesem Thema hat die José Carreras Leukämie-Stiftung ein weiteres Schwerpunktprogramm, mit dem hoffnungsvolle Forschungsprojekte in Heidelberg gefördert werden.

Der neuer Forschungsansatz: Leukämie behandeln, bevor die Krankheit ausbricht

Trotz aller Bemühungen können derzeit beispielsweise bei einer akuten myeloischen Leukämie nur 30 bis 40 von 100 Patienten dauerhaft geheilt werden. In der Forschung, die die José Carreras Leukämie-Stiftung fördert, geht man zudem einen ganz neuen Weg: Gefährdete Patienten sollen bereits behandelt werden, bevor die Leukämie bei ihnen ausbricht.

Der neue Forschungsansatz geht dahin, bestimmte Risiko-Patienten zu identifizieren und zu behandeln, bevor bei ihnen eine Leukämie ausbricht. Prof. Kolb: „Kinder können einen angeborenen Gendefekt haben, der mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führt, dass sie irgendwann an Leukämie erkranken. Bei älteren Menschen kann sich dieses genetische Risiko im Laufe der Jahre auch entwickeln. Ziel ist es, diese Patienten herauszufiltern, um dann frühzeitig und mit Präzision eine Therapie einzuleiten, damit die lebensbedrohliche Krankheit erst gar nicht ausbricht. Wir stehen zwar noch am Anfang der Forschung, aber dies könnte ein weiterer Schlüssel sein, um Leukämie erfolgreich zu bekämpfen. Wir wollen deshalb verstärkt Forschungsprojekte in diesem Bereich fördern.“

José Carreras Leukämie-Stiftung: Forschung braucht Geld

Dr. Ulrike Serini, Geschäftsführerin der José Carreras Leukämie-Stiftung: „Auch in diesem Jahr werden wir unserem Motto ,Jeder Euro hilft Leben zu retten und Leid zu lindern‘ gerecht und unterstützen neben Infrastruktur- und Sozialprojekten allein im Forschungsbereich 18 innovative Forschungsprojekte mit insgesamt über fünf Millionen Euro. Alle Forschungsprojekte wurden intensiv vom Wissenschaftlichen Beirat, der aus den führenden Leukämieforscherinnen und -forschern besteht, begutachtet und von der Mitgliederversammlung, die unter dem Vorsitz von José Carreras in Frankfurt getagt hat, verabschiedet. Das ist nur dank der Großzügigkeit unserer treuen Spenderinnen und Spender möglich.“

Für die nachhaltige Förderung von Forschungsprojekten ist die José Carreras Leukämie-Stiftung 2019 von der Deutsche Universitätsstiftung und dem Stifterverband als „Wissenschaftsstiftung des Jahres“ ausgezeichnet worden. In der Begründung hieß es, die „Stiftung ist ein großzügiger und uneigennütziger Förderer der Leukämie-Forschung. Ihr Einsatz ist zupackend und vorbildlich: Sie trägt maßgeblich dazu bei, dass neue Wege in Diagnostik und Therapie beschritten werden“.

 


Quellen:

(1) Helmholtz Zentrum München: Pioniere der Knochenmarktransplantation. In: “Forschung am Krankenbett” (Broschüre)
http://www.helmholtz-muenchen.de/fileadmin/GSF/pdf/publikationen/broschueren/translationale-forschung/17_19_Knochenmark.pdf
(Bilder) DCJLS und private Archiv

Was ist Blutkrebs?

Die DJCLS befasst sich mit Leukämie – auch Blutkrebs genannt – und bösartige verwandten Blut- oder Knochenmarkerkrankungen. Mit diesem Begriff sind neben den verschiedenen Formen von Leukämien auch maligne Lymphome und Myelome gemeint. Unter diese Krebsarten fallen viele Erkrankungen. Dazu gehören zum Beispiel B-Zell-Non-Hodgkin-Lymphome und Hodgkin-Lymphome, T-Zell-Lymphome oder Multiple Myelome. Dies und mehr erfahren Sie leicht aber rigoros erklärt auf unsere Seite “Leukämie“.

José Carreras Gala

Deutschlands emotionalste Benefizgala ist seit 30 Jahren ein wichtiger Termin für Blutkrebspatientinnen und -patienten. Seit 1995 bittet der weltberühmte Tenor an einem Fernsehabend im Dezember um Spenden für den Kampf gegen Leukämie. Sein Ziel: “Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem”. In 2024 wird ein großes Jubiläum gefeiert: die 30. José Carreras Gala!

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Zum Weltblutkrebstag: “Ich für Dich”! Am 28. Mai ist Weltblutkrebstag – ein Tag für Aufklärung und Sichtbarkeit der Betroffenen, ein Tag um Mut zu machen