Neue Förderung innovativer Forschungsprojekte in Heidelberg

Zielgerichtete zelluläre Immuntherapien sind ein vielversprechender Ansatz im Kampf gegen Leukämie und andere Krebserkrankungen. Um diese Forschung weiter voranzubringen, hatte die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung 2021 dieses Feld als neuen Forschungsschwerpunkt mit einer Förderung von bis zu 500.000 Euro ausgeschrieben. Wir waren in Heidelberg und haben den Leiter des ausgewählten Forschungsprojekts sowie der renommierten Forscher und Mediziner Professor Dr. Carsten Müller-Tidow interviewt.

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Forschungsprojekte Heidelberg
Zielgerichtete zelluläre Immuntherapien sind ein vielversprechender Ansatz im Kampf gegen Leukämie und andere Krebserkrankungen. Um diese Forschung weiter voranzubringen, hatte die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung 2021 dieses Feld als neuen Forschungsschwerpunkt mit einer Förderung von bis zu 500.000 Euro ausgeschrieben. Wir waren in Heidelberg und haben den Leiter des ausgewählten Forschungsprojekts sowie der renommierten Forscher und Mediziner Professor Dr. Carsten Müller-Tidow interviewt.
Dr. Friedrich, UKHD und DKFZ
Prof. Dr. Müller-Tidow, UKHD-Bild_UKHD

Die Idee bei den zielgerichteten zellulären Immuntherapien ist, körpereigene Abwehrzellen so zu verändern, dass sie gezielt gegen Krebszellen vorgehen können. Denn: Normalerweise erkennt die Immunabwehr Krebszellen nicht als gefährlich. Hier sehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler einen Ansatzpunkt für neue immunologische Therapien. Dabei werden Krebspatientinnen und Krebspatienten Immunzellen entnommen, die im Labor auf Erkennung von bösartigen Zellen umprogrammiert und vermehrt werden. Im Anschluss werden die Zellen über eine Infusion zurückgegeben. Im Körper vermehren sie sich, spüren unter den gesunden Zellen die Krebszellen auf und vernichten sie. Seit August 2018 sind bereits erste Behandlungen mit genetisch veränderten Abwehrzellen, sogenannten CAR T-Zellen, bei einigen Leukämien und Lymphomen in Europa zugelassen. Sie werden mit einigem Erfolg in Situationen eingesetzt, in denen die herkömmlichen Krebstherapien nicht geholfen haben.

Um diese Forschung weiter voranzubringen, hatte die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung (DJCLS) 2021 die zielgerichtete zelluläre Immuntherapie als neuen Forschungsschwerpunkt mit einer Förderung von bis zu 500.000 Euro ausgeschrieben. Denn nur mit Forschung wird es gelingen, das große Ziel von José Carreras zu erreichen: „Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem.“

Im Rahmen dieses einmalig angelegten Schwerpunkt-Programms wird ein ausgewähltes Forschungsprojekt in Heidelberg für einen Zeitraum von drei Jahren mit rund 493.000 Euro gefördert. Allein in der Universitätsstadt Heidelberg, einem der wichtigsten Medizinstandorte in Deutschland, hat die DJCLS dank der Unterstützung der Spenderinnen und Spender bislang 94 Projekte mit insgesamt 15 Millionen Euro gefördert.

Neulich haben wir die Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie am Universitätsklinikum Heidelberg (UKHD) besucht und mit den Leitern von zwei diesen Forschungsprojekten gesprochen. Am Ende dieses Beitrags finden Sie auch die entsprechendenVideointerviews.

„In den vergangenen zehn bis 15 Jahren haben wir in der Leukämie-Forschung dramatische Fortschritte erreicht. Für viele Patienten ist der Leitgedanke von José Carreras, dass Leukämie heilbar sein muss, bereits heute glückliche Realität. Mit den neuen CAR-T-Zell-Therapien werden wir auch bald Patienten heilen können, für die es bislang keine Heilungschance gab.“

Prof. Müller-Tidow

Schwerpunktprojekt – Multiples Myelom: Krebsspezifische Immunzellen für die Therapie nachbauen

Forschende des UKHD und des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) entwickeln eine personalisierte Zelltherapie zur Behandlung des Multiplen Myeloms.

Leiter des Forschungsprojekts ist Dr. Mirco Friedrich, Assistenzarzt am Universitätsklinikum Heidelberg und Wissenschaftler am Deutschen Krebsforschungszentrum. Ziel der Forschung seines Teams ist es, eine neue Zelltherapie für das Multiple Myelom zu entwickeln. „Patienten, die an dieser bösartigen Erkrankung des Knochenmarks leiden, können wir derzeit nur behandeln, aber nicht heilen“, so Dr. Friedrich.

Die Forschungsgruppe verfolgt den innovativen Ansatz, der auch bei anderen Erkrankungen den Durchbruch bringen könnte: Die Immuntherapie. „Der Ansatz, das körpereigene Immunsystem so zu verändern, dass die Tumorzellen vom Körper selbst attackiert und eliminiert werden, konnte bereits beim Melanom, dem Hautkrebs, eingesetzt werden. Unser Ziel ist es, die zelluläre Immuntherapie mit körpereigenen T-Zell-Rezeptoren erstmals bei einer hämatologischen Erkrankung einzusetzen. Wir untersuchen dabei, welche Immunzellen die Tumorzellen erkennen und wie diese Immunzellen aufgebaut sind. Mit diesem Wissen entwickeln wir dann ein auf den Patienten maßgeschneidertes Medikament, also eine Zelltherapie mit eigenen tumorerkennenden T-Zellen.“

 

Forschungsprojekt – Akute Myeloische Leukämie: Resistenzmechanismen verstehen

Mit molekularen Analysen möchten Ärzte des Universitätsklinikums Heidelberg verstehen, warum bei der Akuten Myeloischen Leukämie medikamentöse Therapien nach einiger Zeit ihre Wirkung verlieren

Leiter des Forschungsprojekts ist Professor Dr. Carsten Müller-Tidow, Ärztlicher Direktor der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Rheumatologie am UKHD. Die DJCLS fördert das Forschungsprojekt für einen Zeitraum von drei Jahren mit rund 292.000 Euro. „Gerade bei älteren Menschen oder bei Patienten, die stärkere Therapien nicht vertragen, setzen wir neue Medikamente ein. In einigen Fällen wirken diese Medikamente aber nicht ausreichend und es kommt zu Rückfällen“, so Prof. Müller-Tidow.

Im Forschungsprojekt untersucht sein Team mit hochmodernen Methoden, warum die Therapie nicht gewirkt hat. Das Ziel ist es, den Mechanismus zu verstehen und auch für diese Fälle eine effektive Therapie zu entwickeln. Nach Einschätzung des renommierten Forschers und Mediziners könnten bereits in naher Zukunft die ersten klinischen Studien beginnen: „Viele AML-Patienten können wir bereits heute mit den neuen Medikamenten gut behandeln. Wenn es uns gelingt, die Forschung weiter voranzutreiben, wird dies auch für die anderen Patienten einen großen Unterschied machen.“

 

28 Jahren Forschung und Hoffnung

Wie wichtig die Unterstützung von der José Carreras Leukämie-Stiftung ist, unterstreicht Prof. Müller-Tidow: „Die José Carreras Leukämie-Stiftung ist in Deutschland seit vielen Jahren ein ganz wichtiger Förderer der Forschung und hat auch schon sehr viel bewegt. Diese Unterstützung macht für mich und für viele andere Forscherinnen und Forscher den entscheidenden Unterschied aus. Wir forschen an Leukämie-Erkrankungen, vor allem an der Verbesserung der Therapien, an Stammzelltransplantationen und auch an neuen CAR-T-Zell-Therapien.“

Um weitere Spenden im Kampf gegen Leukämie und andere schwere Knochen- und Bluterkrankungen zu sammeln, lädt José Carreras jedes Jahr gemeinsam mit seinen internationalen und nationalen Künstlerfreunden zur großen José Carreras Gala ein. Die 28. José Carreras Gala findet am Mittwoch, 7. Dezember 2022, in Leipzig statt und wird live ab 20.15 Uhr vom MDR übertragen.

Projektförderung der DJCLS

Die DJCLS verfolgt seit 1995 das von José Carreras formulierte Ziel: “Leukämie muss heilbar werden. Immer und bei jedem.” Deshalb fördert sie Projekte im Bereich Leukämie und verwandter bösartiger Blut- und Knochenmarkserkrankungen. Die DJCLS ist eine der bedeutendsten unabhängigen Organisationen, die medizinische Forschung und Infrastruktur auf diesem Gebiet fördert. 2019 wurde sie von der Deutschen Universitätsstiftung und dem Stifterverband als Wissenschaftsstiftung des Jahres ausgezeichnet. Alle Informationen über unsere Förderaktivitäten finden Sie unter „Projektförderung“

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Videointerviews mit den Leitern der Forschungsprojekten

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